Blog.: Umgangsempfehlung mit hochsensitiven Personen

Die Erlebnisse, wie im Logbuch #12 beschrieben, brachten auch einige Erkenntnisse mit sich bzgl. hochsensitiver Personen und wie ich erkenne, wie man ihnen begegnen sollte. Da ich als HSP auch andere kenne, ist das ganz nützlich, um einen durchschnittlichen Umgangswert zu ermitteln.

Wenn man nun von einem Menschen etwas haben möchte, weil man ein bestimmtes Bedürfnis hat – etwa, weil man Hilfe oder etwas Gesellschaft braucht –, reagieren hochsensible Menschen besonders vorsichtig, weil sie spüren, dass man nun ihre Kraft in Anspruch nehmen möchte. Denn "haben wollen" ist immer auch Energie ziehen und HSP / hochsensitive Personen, haben hier sehr oft negative Erfahrungen gemacht, so auch die Rückmeldung von den dich ich kenne.

Denn wenn eine Zusammenarbeit auf Dauer nicht konstruktiv wird mit jemandem, der ein Bedürfnis hat, wird er diesen Menschen früher oder später meiden. Etwas, das sicher auch normalsensitive Menschen kennen, diese aber sicher meistens einem längeren Atem haben, bevor sie das Handtuch schmeißen. HSP merken jedoch auch schnell, ob sich etwas lohnt oder nicht, was normale Menschen erst gründlich herausfinden müssen. Denn die HSP wird sich nach einer Zusammenkunft, die keine Fortschritte gebracht hat, kraftlos fühlen. Kraft gewinnt sie hingegen dadurch, dass ein Mensch selbst immer mehr in seine eigene Kraft findet und dadurch eine energieanreichernde Wirkung auf sein Umfeld hat, anstatt andere über deren Bedürfnisse an sich zu binden.

Sie selbst lassen die Menschen im Grunde so sein, wie sie sind, denn sie mögen generell Authentizität. Das bedeutet weniger Stress für sie, und sie können sich auf den anderen einstellen und sich selbst dann öffnen, um zu sehen, was dieser braucht. Den HSP geben gern, nur halt nicht das, was vom Gegenüber oft "er-wartet" wird.

Was Hochsensitive geben

Sie geben Aufmerksamkeit, u. a. in Form vom Zuhören und Mitfühlen. Sie nehmen dein Wesen auf und können auch speziell dafür etwas Praktisches kreieren, wie etwas Leckeres zu essen oder eine angenehme Unterhaltung; etwas Kunstvolles wie ein Bild, ein Lied oder einen Brief; oder sie gestalten einen Raum, der oft gemütlich und angenehm auf die Menschen wirkt. Wenn ein HSP beispielsweise für dich deinen Garten umgräbt, dann nur, wenn es zu dieser Raumgestaltung gehört und sie diese Minuten, in denen sie Kraft hat, ganz gezielt oder auch intuitiv verwenden möchte. Sie sind absolut keine Packesel oder anderweitige Arbeitstiere!

Sie geben vor allem, indem sie dir ihre Wahrnehmungen mitteilen. Manchmal geben sie dir auch, indem sie einfach nur da sind und dich auch wortlos spiegeln. Und ähnlich wie es bei anderen Menschen ist, die eine Beeinträchtigung haben wie Behinderteoder chronisch Kranke, tut es auch dem „Nicht-Hochsensitiven“ gut, sich um diesen empfindsamen und qualitätsbewussten Menschen zu kümmern, vor allem dann, wenn dieser einmal seine ganze Kraft in eine Sache hineingesteckt hat.

Habe keine Erwartungen an hochsensitive Menschen!

Das, was sie geben, sollte jedoch nicht dazu genutzt werden, Druck auszuüben oder jemanden zu erpressen – nach dem Motto: „Ich helfe dir, und dafür hilfst du mir, aber nur so, wie ich es möchte.“ Besser wäre, dass man nichts erwartet und offen ist wie es sich entwickelt: „Ich helfe dir mit meinen Gaben und ich freue mich, wenn du deine Gaben einbringst.“ Alles andere erkenne ich als zeit- und kraftraubend, wie mir auch andere HSP mitteilen, was dann beide Seiten frustriert und lustlos macht. Mit der Zeit wird ansonsten der HSPler genug haben und lieber die Distanz wahren, statt immer und immer wieder sich wie leergesaugt vorzukommen.

Verstehe mich richtig, einer HSP tut es sicher einmal gut, erschöpft ins Bett zu gehen, doch wenn sein Wirken nur wie ein Lückenfüller genutzt wurde und das Miteinander dem anderen auf Dauer nichts bringt, um wirklich in eine neue Ebene der Selbstliebe und geistige Reifung zu kommen, wird der HSPler irgendwann die Segel streichen und sich sagen: „Das ist alles vergebene Liebesmüh.“ 😞

Hochsensitive erkennen selbst, was gebraucht wird!

Somit lässt ein hochsensibler Mensch dich auf Dauer auch nicht sein, wie du bist, denn er spürt deine Defizite und bekommt deine Herausforderungen und Baustellen mit. Sozusagen die Stellen, wo du nicht authentisch du selbst bist, sondern eine Maske trägt oder eine Mauer gebaut hast, zu deinem wirklichen Wesen. Er bekommt mit, dass du etwas überspielst und versuchst, stark zu sein, und wenn du selbst deine Grenzen nicht respektierst. Vielleicht mag er es nicht gleich in Worte fassen können, aber seine Reaktion solltest du dir auch genau ansehen.

Wenn du ein Mensch bist, der so bleiben möchte, wie er ist, solltest du von dir aus am besten hochsensitive Menschen meiden. Oder du suchst dir einen aus, der stecken geblieben ist in seinem Frust und in seiner Lustlosigkeit, anderen helfen zu wollen, wie ich es zeitweise auch schon bei mir bemerkte. Diese haben sich einen Schutzpanzer aus ihren Widerständen* gebaut und sind sehr konfliktscheu, aber offen, wenn sie mit deiner Hilfe ein paar eigene Bedürfnisse befriedigen können.

*[Damit ist bildlich gemeint, dass jemand durch viele negative Erfahrungen, Kritik, Zurückweisung oder Verletzungen gelernt hat, sich emotional zu schützen.]

Denn HSP sind von Natur aus dafür gemacht, Berater zu sein, wie die Pionierforscherin in diesem Bereich, Elaine N. Aron, schnell feststellte. Sie begleiten dich in deinen Prozessen und können mit Feingefühl erkennen, welche Knoten es zu lösen gilt, damit du dich zu etwas Besserem verändern kannst. Oder anders ausgedrückt: Sie lösen nicht deine Probleme, sondern erkennen sie. Doch wie gesagt, wenn der Mensch sich nicht ändert, wird das dem Hochsensitiven auch schaden und er wird auf Dauer noch schwächer werden. Denn diese Menschen nehmen sowohl das Konstruktive als auch das Destruktive schnell auf und es beschäftigt sie intensiv. Gerade das Destruktiven kann sie niederdrücken und viel Kraft rauben. So heißt es passend in Sprüche 22,24–25 (FZ): „Verbringe nicht zu viel Zeit mit einem zornigen und nicht mit einem aggressiven Menschen, damit du selbst nicht wie er wirst und deine Seele sich dabei verirrt.‍ “

Hochsensitive sind wie Dünger

Es gibt heutzutage viele Menschen, die sich nur den Gelüsten hingeben wollen und sich sagen „Ich bin gut so wie ich bin“, statt geistig wachsen zu wollen. Jedoch kann in einer gesunden Welt nichts bleiben, wie es ist. Denn alles ist immer im Wachstum und der Mensch hat darin tatsächlich auch die Fähigkeit, sich dagegen zu sträuben. Daher brauchten wir uns gegenseitig, jeder nach seinem Wesen und seinen Begabungen. Hochsensitive Menschen haben dazu die Begabung, dieses authentische Wesen, das in jedem steckt, erkennen und fördern zu können.

Veränderung ist unaufhaltsam. Entweder ein Wesen verfällt geistig, indem es trotzig so bleiben will, wie es ist, oder es wächst und will mehr erfahren, was seine kann. Selbst ein Stein wird von Wind und Wasser immer weniger, selbst wenn es 1.000 Jahre dauert. Und ein Baum wird immer dicker, bis er wie manche Eiche oder Linde 1.000 Jahre alt ist.

Wenn ein HSP dich betrachtet, sieht er dein Potenzial und deine Herausforderungen. Durch ihr Mitgefühl, das sie dir vermittelt, sofern sie keine Ausnahme ist, hat sie nur das Beste für dich im Sinn. Ich denke wirklich, dass es dieser Art von Mensch es besonders am Herzen liegt, dass die Menschen in ihrem Umfeld in ihre Kraft kommen. Sie sehen und spüren überall das Leid und den Kummer und möchten daher auch, dass es weniger wird. Somit fordern sie gerne dazu auf, Belastungen loszulassen, Päckchen auszupacken und in sich selbst aufzuräumen. So soll wieder Licht durch die schmutzig gewordenen Fenster in die Menschen kommen und die Menschen um sie herum zunehmend wieder strahlen können. Denn im Grunde kann ein hochsensibler Mensch selbst nur da gedeihen, wo auch diese Verwandlungen stattfinden.

 

Videoempfehlung zu dem Thema, die sich gegenseitig ergänzen

Dieses Paar ist seit mehr als 20 Jahren zusammen und sie zeigen sehr schön, wie sie sich als Hochsensitive Frau und Nicht-Hochsensitive Mann ergänzen. (Klicken fürs Video)

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Logbuch: #12 Zwei Perspektiven auf Menschen