Hochsensitvität

Wenn du mehr fühlst als andere Menschen

Stell dir vor, du begegnest einem Menschen und du hast mit ihm einen Termine in der Öffentlichkeit

Du erkennst an seinem Ton in der Stimme, dass ihn etwas plagt. Seine Körpersprache ist auch sparsam in seinen Bewegungen und auch das Gesicht hat einen gleichbleibenden neutralen Ausdruck. Diese Bedrücktheit kann auch kein aufgesetztes Lächeln verdecken. Dieser Mensch macht das, was von ihm erwartet wird, die rein sachliche Arbeit, mehr aber auch nicht. Das Zusammensein mit dem Menschen fühlt sich kühl an, es kommt keine gemeinsame Dynamik zustande.

Mit ein paar lockeren, aufmunternden Sätzen versuchst du, die Stimmung anzuheben und dein Gegenüber anzuregen, etwas in das gemeinsame Miteinander zu investieren. Aber es fruchtete nichts. Du fühlst mit ihm und weißt, dass dieser Mensch, so wie er sich fühlt, gar nicht sein möchte und daher resigniert hat. Etwas beschäftigt ihn und du spürst einfach, dass dieser Mensch schon seit langer Zeit so ist. Vielleicht kommen dir auch intuitiv Bilder oder Gefühle hoch, was dieser Mensch erlebt hat. Du nimmst das alles von ihm in eurer Begegnung so deutlich wahr und kannst es nicht von dir weisen, dass du es wahrnimmst. Du wirst selbst traurig über seinen Zustand und fühlst mit ihm mit und vielleicht kommen dir auch ein paar Tränen. Denn du siehst vor deinem inneren Auge, wie dieser Mensch glücklicher sein könnte, wenn er diese Schwere in sich überwindet und wie erleichtert er sich ebenso fühlen würde.

Diese Gefühle und alles, was es mit dir macht, nimmst du augenblicklich wahr und wünschst dir, dass du all dem jetzt Aufmerksamkeit schenken kannst, um es auszuleben, damit diese Gefühle auch durchgefühlt werden können. Doch stattdessen setzt diese Wahrnehmung dich jetzt unter Anspannung, da du dich gerade gesellschaftlich zusammenreißen möchtest, und hältst es aus.

- So weit einmal mein Versuch, euch das Innenleben eines HSM (hochsensitiven Menschen [meine Eindeutschung]) näherzubringen.

In dieser Art nimmt ein Hochsensibler in wenigen Minuten wahr, wie es einem Menschen geht, der beispielsweise ein Lebensthema in Sachen Lebensfreude, Selbstliebe und Genuss hat. Auch nach der Begegnung beschäftigt das einen HSP (High Sensitiv Person) und braucht seine individuelle Zeit, bis er damit klarkommt. In diesem Beispiel ging es um eine Begegnung von ein paar Minuten, von nur einem Menschen – und wie vielen Menschen begegnet man denn so im Alltag? Es sind nicht wenige, daher sind Hochsensible auch gerne wieder für sich im Rückzug, um das alles, das, was sie wahrgenommen haben, zu verdauen. Es gibt jedoch in unserer objektiven Welt mehr als nur Menschen. Denn das Gleiche lässt sich auch auf Pflanzen und Tiere, auf Design von Gebäuden und Alltagsgegenständen, auf Musik, Filme, Bilder, Nahrungsmittel und vieles mehr übertragen. Hier darf man Hochsensibilität nicht mit Wehleidigkeit oder mit übersteigertem Opferempfinden verwechseln, ebenso auch nicht mit einem körperlich oder psychisch kranken Menschen. Die Hochsensibilität ist ganz wissenschaftlich als eine besondere Form der Wahrnehmung anerkannt. Da ich selbst betroffen bin, kann ich sagen, dass es weniger wichtig ist, ob es Hochsensibilität oder Hochsensitivität heißt, wobei letzteres ein verständlicheres Bild bei den meisten Menschen erzeugt.

Ein hochsensibler Mensch, so meine These, hat ein weiteres Bewusstseinsfeld und ist sehr viel mehr im Geist unterwegs, als es der „normale“ Mensch ist. Nicht selten sind sie sehr kreativ und künstlerisch begabt. Sie sind sehr spirituell und sind nicht häufig in einer beratenden Tätigkeit unterwegs. Wobei die Pionierforscherin Dr. Elaine N. Aron sagt, dass HSP gerade dafür gemacht sind, um Menschen zu beraten. In sozialen Berufen trifft man sie auch häufig an und sie haben mit ihrem großen Herzen und ihrem tiefen Mitgefühl nicht selten Kinder um sich oder betreuen ältere oder "vergessene" Menschen.

Überschriften wie „Wenn der Filter im Kopf fehlt“, wie die Tagesschau betitelt, empfinde ich als einen recht oberflächlichen Blick auf dieses Thema. Ein hochsensibler Mensch hat nicht etwas zu wenig, nein, er hat von etwas mehr – und zwar mehr Bewusstheit für die Dinge. Bei einem gebildeten Menschen sagt man auch nicht: Der hat zu viel gelernt und der müsste weniger Zugriff zu Wissen haben, sondern man erkennt, dass er sich mehr Wissen angeeignet und im Geist integriert hat. (Auf diese These gehe ich gleich mit dem Seelenalter noch mal ein.)

Die Schattenseite dieser Wahrnehmungseigenschaft ist, wie schon erwähnt, dass sie sehr viel an Eindrücken und Empfindungen verarbeiten müssen, und wenn sie diese Zeit nicht bekommen, wird ihr Körper rebellieren und sie werden schneller unkonzentriert, schlapp oder sogar schneller krank als andere. Dann brauchen sie Ruhe und gehen dazu auch gerne in die Natur, um sich aufzuladen. Forscher gehen davon aus, dass diese Menschen schon als Kinder mit einem feineren Nervengewebe auf die Welt kommen. Schwingungen, seien sie von Menschen oder von Maschinen, spüren sie ebenso schneller, und das kann in dieser zunehmend digitalen Welt sehr anstrengend sein. Diese Welt von höher, schneller, weiter ist generell nichts für sie, wie auch eine hochsensible YouTuberin in ihrem Video sehr treffend bemerkt. Elektrosensibilität / Elektrohochsensibilität (EHS) ist somit ein weiterer Ausdruck, den Hochsensitive sehr oft auch haben können bzw. aus meiner Sicht und Erfahrung sind sie anfälliger dafür. (Jedoch ist dieses Thema eines, das tatsächlich von Konzernen heruntergespielt wird und das es EHS gar nicht geben soll.)

Bevor ich auf das Thema der Hochsensibilität gestoßen bin, habe ich mich mit Seelenalter beschäftigt und mich darin gut finden können. Mir ist dabei auch über meinen Bekannten- und Freundeskreis aufgefallen, dass die Menschen, die sich als alte Seelen identifizieren, auch oftmals sich als hochsensibel erkennen. Für mich ist das kein Wunder, ist es doch so, dass je älter eine Seele wird, desto geistiger und bewusster wird sie und desto mehr bringt sie intuitiv gespeicherte Erfahrungen aus den vielen anderen Leben mit. Sie hat öfter Schmerz und Leid, Glück und Freude erlebt als die sogenannten jungen oder reifen Seelen, die sich sogar oft in die materiellen Themen hineinstürzen, um es einmal erfahren zu haben. Junge Seelen beispielsweise lassen sich gerne von oberflächlicher Schönheit, Status, tollen Tricks, Macht oder praktischem Nutzen blenden und verführen. Die alten Seelen wissen jedoch um den wahren tieferen Wert der Dinge und das ist genau auch das, was Hochsensible ebenfalls wahrnehmen. Es geht ihnen bei all dem nicht um die Quantität, sondern um die Qualität. Es geht ihnen nicht um den materiellen Wert, sondern um die Menge an Liebe, die drinsteckt, und die sie sich wünschen, in einem hohen Maß zu finden.

Die alte hochsensible Seele mag vielleicht auch jeden Cent zweimal umdrehen und sich für die billige Butter entscheiden, aber im Großen und Ganzen, vor allem im mitmenschlichen Bereich, strebt sie danach, ein gutes Umfeld zu kreieren und das Beste rauszuholen. Auch bei sich selbst möchte sie einen Frieden in sich spüren, der ihr Kraft gibt und mit der Schöpfung im Einklang ist. Dies beinhaltet auch, dass sie mit Gott selbst in Einklang kommen möchte, weil sie sich dessen bewusst ist, dass er die Liebe ist und die Quelle ihrer Kraft. Und weil er die Echtheit und die Wahrheit ist, die sie überall sucht.


Weiterführende Information

Damit ihr noch besser erfahrt, wie hochsensible Menschen ticken, inklusive mir, habe ich euch zwei Videos ausgesucht, die dies sehr gut darstellen.

Bei folgendem Link, könnt ihr gerne auch meine ganze Playlist auf YouTube zu den Thema Hochsensibilität ansehen.

(Video öffnet sich im externen Fenstern, anders ist dies derzeit nicht möglich)


Symptome von High Sensitiv Person / Hochsensitive Menschen

von Florian C. G. Zeller

- Sind sehr intuitiv

- Sie haben einen leichteren und natürlicheren Zugriff zur Spiritualität

- Sehr kreativ und geistig sehr rege

- Spüren mehr: können Stimmungen, Wahrheitsgehalt, als auch Bedürfnisse von anderen stärker wahrnehmen

- Mitfühlender, was die Situation und Zustand des Gegenübers betrifft

- Oft empathisch, d.h. mitfühlend bzgl. von Emotionen und Gefühlen

- Sie sind stärker am Wasser gebaut

- Sie meiden häufig eine Ansammlung von vielen Menschen

- Sie können besser Selbstreflektieren

- Sie nehmen differenzierter wahr, sei es in ihrem Innenleben als auch im außen

Besondere negative Auswirkungen

- Haben oft Selbstzweifel, weil andere (80 %) sie nicht verstehen können in ihrem empfinden und somit keine soziale Bestätigung bekommen

[Tipp: Steh zu deiner Wahrnehmung, suche Menschen die dir vertrauen]

- Können harmoniesüchtig sein und Emotionen aus dem Weg gehen

[Tipp: Lerne dich abzugrenzen von den Stimmungen andere Menschen. Erkenne das, was ihres ist und was deines ist]

- Brauchen mehr Zeit zum Verarbeiten von Information und Eindrücken. Das bedeutet sie sind schneller schlapp und brauchen mehr Pausen_________

[Tipp: Beweise niemand wie viel du leisten kannst, sondern respektiere deine eigenen Grenzen und zieh dich zurück]

- Hang zum Perfektionismus

[Tipp: Bring etwas nahezu zu Ende und erkenne dann an, das dies nun genau der Ausdruck ist, den du in diesem Moment darstellen möchtest und belasse es dabei. Merksatz: Lieber erledigt als Perfekt]

Des Weiteren, Aspekte die viele nicht erkennen

- Hochsensitive sind sehr häufig auch alte Seelen

- Hochsensitive haben das Potenzial Medial zu sein

- Hochsensitive haben ein weiteres Bewusstseinsfeld (ihnen fehlen keine Filter)

Wenn du wissen möchtest, ob auch du hochsensitiv bist, kannst du einen Test im Internet machen. Ich habe mich u.a. bei sensitivityresearch.com/de/ testen lassen und ein stimmiges Ergebnis erhalte.

Gerne können wir auch in einem persönlichen Gespräch erkunden, ob du zu den HSM gehörst, ob es andere Erklärungen für deine herausfordernde Wahrnehmung gibt oder was dich sonst noch bedrückt. Melden dich einfach bei mir und wir schauen gemeinsam, wie es weitergehen kann.