Es tut gut zu weinen

(Gedicht, 2014)

Das Wasser trägt aus mir den Schmutz und Schmerz hinaus

aus meinem irdischen Körper, aus meinem fleischlichen Haus.

Ich muss ehrlich sein zu mir, vor dem es mich graust,

ich packe meine Päckchen und ich packe sie aus.

Meine Säcke werden leichter, ich lasse mich geh‘n,

ich ergebe mich und lass‘ es einfach gescheh‘n.

Ich lass‘ raus was raus will, ich will mich nicht mehr quäl‘n,

ich erkenne das Kollektiv, von ungeweinten Trän'n.

Viele wollen stark sein, doch geh‘n kaputt daran,

sie lassen nie los, sie denken, Vergeben ist krank.

Sie denken, wer Schwäche zeigt wird schnell gefressen,

doch Zorn und Wut können einen von innen zersetzen.

Es tut gut zu weinen, ich genieße es zu weinen,

diese Tropfen bringen wieder Neues zum Keimen.

Der Feind in meinem Körper und dem außerhalb von mir

ich vermittel zwischen beiden, in dem ich aussortier‘.

Was ich an mich heranlass‘ und was an mir vorbeizieht,

denn mein Leben ist kostbar und empfindsam und heilig.

Die Wahrheit liegt im Lachen, die Wahrheit liegt im Wein'n

viele erschaffen sich 'ne Mauer und sammeln jeden Stein,

die sie nach unten zieh‘n - und sie zum Stolpern bring‘

bis sie daran zerbrechen, weil sie niemand fängt.

Denn sie selbst werden schwere Last, denn sie lassen nicht los.

Sie wollen das Gras drüber wächst, doch es ist loses Moos.

Der nächste Regenschauer spült diesen dann weg

und sie finden sich wieder im sumpfigen Matsch und im Dreck.

Ich liebe es zu weinen, ich genieße es zu weinen,

weinen ist Wahrheit, weinen ist sich endlich zeigen.

Ich liebe es zu weinen, nur so kann ich lachen,

Donner und Blitz können im Regen neue Flammen entfachen.

Sonne und Regen, gehören beide zu meinem Leben,

beides ist berechtigt, beides hat meinen Segen.

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